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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Department für Agrarökonomie

Blockkurs „Klimawandel & Anpassung im GALABAU“

Überblick

Der Kurs richtet sich vorrangig an Berufsschüler*innen des Ausbildungsgangs „Gärtner*in Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau“. Er zielt auf Sensibilisierung für die Problematik des Klimawandels und das Sich-Aneignen von Grundwissen zum Klimawandel mit Ansätzen für Klimaschutz und Klimaanpassung im beruflichen Kontext.

Inhaltlich knüpft er an das Thema „Einwirkungen von Wetter und Klima auf die Pflanzenproduktion und Pflanzenverwendung“ im Lehrplan des ersten Lehrjahres für das Fach „Pflanzenverwendung“ an. 

Der Kurs umfasst zwei Blöcke á 90 Minuten mit einer 20-minütigen Pause. Er wurde im Dezember 2018 in der Peter-Lenné-Schule - OSZ Natur und Umwelt Berlin mit drei Klassen in der Grundstufe (1. Lehrjahr) getestet und fand statt in der zweiten Schulwoche, d.h. im vierten Monat der Lehre. Die Schüler*innen waren zwischen 16 und 37 Jahre alt, mit sehr unterschiedlichem Bildungsgrad und teilweise Migrationshintergrund.

 

Ausgangssituation und Ziele

Die Bedarfsanalyse ergab, dass nach Expertenmeinung „Pflege“ in der aktuellen Ausbildungsverordnung „unterrepräsentiert“ sei. Da gerade im kommunalen Bereich viele Landschaftsgärtner*innen später Pflegearbeiten ausführen, besteht hier ein Bedarf für die Berufsschulen, und zwar schon sehr frühzeitig, in der Grundstufe. Die Einbeziehung der Thematik „Klimaanpassung“ als Unterrichtsstoff erweist sich insofern als problematisch als die beruflichen Schulen auf die Aneignung breitgefächerten Fachwissen zielen, wohingegen es sich hier um eine Spezialisierung handelt. Und schließlich ist, da die Azubis sehr unterschiedlich vorgebildet und erfahren sind, das Vorwissen der Azubis bezüglich Klimawandel (vermutlich) als sehr heterogen einzuschätzen. Hinsichtlich ihrer Lernmotivation wurden Schüler*innen im ersten Lehrjahr von Lehrkräften als „etwas verträumt“ eingeschätzt.

Damit wurden die Ziele (Groblernziele) für die Ausbildung in der Grundstufe vorrangig gesetzt im Bereich der Sensibilisierung für die Problematik des Klimawandels und des Sich-Aneignens von Grundwissen zum Klimawandel gesetzt. Weitere Schwerpunkte sind Ansätze für Klimaschutz und Klimaanpassung im beruflichen Kontext sowie „Interesse und Bewusstsein für das Thema klimaangepasste Grünflächenpflege bei den Auszubildenden zu wecken“ (Experte).

Im Sinne einer beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung gilt es insbesondere, die Entwicklung von Problemwahrnehmungs- und Lösungskompetenzen zu befördern, eigenständig (Selbstkompetenz) und in der Gruppe (Teamkompetenz) Informationen zu sammeln, zu reflektieren und zu bewerten und daraus Lösungen zu generieren (Problemlösungskompetenz).

 

Mit Blick auf das Themenfeld "Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung" sind die
Ziele des Kurses:
  • Probleme des Klimawandels wahrnehmen und Handlungsbedarf erkennen;
  • Eigene Möglichkeiten zum Klimaschutz reflektieren;
  • Klimawandel in Berlin und Folgen für „Landschaftsgärtner*innen“ kennen und bewerten;
  • Selbstständig Lösungsideen im Garten- und Landschaftsbau bzw. der Grünflächenpflege generieren.

 

Schüler*innen sollen sich darüber hinaus Fachkompetenzen aneignen, insbesondere Wissen über Zusammenhänge in den Bereichen:
  • Grundwissen zum Klimawandel: Treibhauseffekt, dessen Ursachen und Folgen;
  • Ansätze zur Reduktion des CO2-Ausstoßes, insbesondere die eigene Verantwortung und eigene Möglichkeiten;
  • Anpassungsmaßnahmen.

 


 

Programm

Für das Kursprogramm waren folgende Fragen leitend:

  • Was ist der Klimawandel, welche Ursachen und Folgen gibt es weltweit?
  • Wie kann Klimaschutz funktionieren, insbesondere was kann jede*r selber tun?
  • Was sind die aktuellen Klimaprojektionen für Berlin?
  • Welche Folgen ergeben sich aus dem Klimawandel für Stadtgrün, dessen Pflege und generell im Beruf (speziell Garten- und Landschaftsbau)?
  • Welche Ansätze zur Klimaanpassung gibt es und wie relevant sind diese?

 

Klimaschutz Zeit

Einführung: Vorstellung, Ziele, Projekt

10‘

Brainstorming: Vorwissen zum Klimawandel

30‘

Input & Gruppenarbeit: Klimawandel, Ursachen und Folgen

30‘

Input und Lehrgespräch: Eigener Beitrag zum Klimaschutz

20‘

Pause

20‘

Klimaanpassung Zeit
Input und Gruppenarbeit: Klimawandel in Berlin

30‘

Brainstorming: Folgen für den Berufsstand

25‘

Einzel- / Gruppenarbeit: Anpassungsmaßnahmen

25‘

Feedback / Evaluierung

10‘

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ablauf und Methoden

Grundsätzlich sollen sich die Schüler*innen die Kompetenzen möglichst selbstständig, allein oder in Gruppen aneignen. Zur Anwendung kommen insbesondere Methoden, die Schüler*innen aktivieren und einen hohen Partizipationsgrad ermöglichen. Auf Frontalunterricht wird möglichst verzichtet. Vorträge sind, wenn erforderlich, als kurze Inputvorträge gehalten, die später im Rahmen von visualisierten Lehrgesprächen, Kleingruppen- oder individueller Arbeit vertieft werden. Vorzugsweise erfolgt dieser Input durch „externe Expertise“, z.B. mittels Videos (audiovisuelle Methoden) oder im Rahmen von Exkursionen durch Expert*innen. Durch solche Nutzung diverser Kommunikationskanäle werden mehrere Sinne angesprochen, was zusammen mit viel „Selber tun“ den Lerneffekt befördert, gerade bei Zielgruppen, die schwächer sind beim Sich-Aneignen von Wissen, das sich rein verbal manifestiert. Der Einsatz einer Bandbreite von Methoden, die auch variiert werden, zeigt den Schüler*innen ein Spektrum an methodischen Möglichkeiten, was wiederum der Förderung ihrer Methodenkompetenz dient.

 

Im Vordergrund stehen aktivierende „partizipative“ Methoden und damit das Schaffen eines Lehr-/ Lernarrangements, in dem das selbstständige Erarbeiten und Teamarbeit befördert werden.

Brainstorming wurde als „neues“ Instrument im Unterricht eingeführt. Es zielt darauf, den existierenden „Body of knowledge“ zusammenzuführen, ein gemeinsames Problemverständnis zu schaffen und gemeinsam Lösungsideen zu generieren, und die Lernmotivation zu erhöhen.

Die Zielvereinbarung am Anfang mit Vorstellung und Diskussion von Lernzielen und anschließender „Einigung“ auf ein Programm schafft einen „Lernvertrag“. Das Blitzlicht am Ende des Kurses dient der individuellen Reflexion der Ziele und damit der Festigung des Gelernten, und den Lehrkräften als Feedback mit Blick auf Kursoptimierung.

Hintergrundinformationen werden mittels kurzer Videos oder als Inputvorträge gehalten und grundsätzlich im Rahmen einer anschließenden Diskussion oder Gruppenarbeit reflektiert. Hier geht’s zur Präsentation inklusive Ziele und Programm).

Gruppenarbeit erfolgt individuell oder besser in Kleingruppen. Hierfür wurde ein Handout mit Hintergrundinformationen und Arbeitsblättern erstellt mit einer dem Lernniveau der Schüler*innen angepassten und in der vorhandenen Zeit bearbeitbaren Aufgabenstellung.

 

Hier finden Sie die Zusammenstellung der „partizipativen“ Methoden. 

 


 

Reflexion und Ansätze zur Optimierung

Nach dem ersten Testlauf des Blockkurses mit einer Klasse gab es insgesamt positive Rückmeldungen, jedoch kam auch deutliche Kritik: Es sei insgesamt "viel zu viel Information" mit „zu viel Klimaschutz“, der Unterricht sei „viel zu frontal“ und teilweise würden die Aufgaben nicht verstanden.

Als Konsequenz wurden die Lerninhalte des Blockkurs reduziert und die Didaktik angepasst. Es gibt kaum mehr Vorträge, dafür Arbeitsblätter mit einfach formulierten Aufgaben, mehr Gruppenarbeit und ein zusätzliches Brainstorming mit „Kärtchen schreiben in Gruppen“. Der erste Block widmet sich dem Klimaschutz und der zweite vollständig der Klimaanpassung. Und schließlich wurde ein Handout mit Hintergrundinformationen und Arbeitsblättern entwickelt.

 

Nach dreimaligen Test des Kurses mit verschiedenen Klassen wurde die letzte "Fassung" im Rahmen einer Masterarbeit extern evaluiert.

Im Ergebnis zeigten sich folgende Stärken und Schwächen:

► Stärken
Stärken sind vor allem in Aktivierung, u.a. aufgrund der Methodenvielfalt zu sehen:
  • Durch abwechslungsreiche Lehrmethoden Spannung in fachliche Themen eingebracht; Abwechslung zum normalen Unterricht
  • Interesse zum Thema durch Aktivierung (Pinnwand, Vorstellung an der Tafel);
  • Bedeutung und Ausmaß des Themas verdeutlicht
  • Durch aktive Teilnahme der Schüler*innen wurde die Aufmerksamkeit verstärkt
  • Schüler können sich später nur teilweise an genaue Inhalte erinnern aber Themen, die sie bereits kennen, werden nochmal aufgefrischt
  • Mögliche Verhaltensänderungen: Aussagen, dass Schüler*innen im Nachhinein umweltbewusster seien
  • Sehen einen direkten Zusammenhang zum Beruf und die Notwendigkeit sich zu informieren

 

► Schwächen
Schwächen liegen im Bereich der Aufrechterhaltung der Konzentration:
  • Zu lange Vorträge, im Allgemeinen zu viele Themen in kurzer Zeit: Entweder mehrere Kurse über längeren Zeitraum anbieten, mehr Pausen zwischendurch und Themen kürzen
  • Gruppenarbeit nicht immer beliebt jedoch („möglicherweise“) sinnvoll
  • Zu viel Lesestoff, schwer sich am Ende noch zu konzentrieren
  • Schüler sind noch interessiert an Klimaanpassung im Alltag und speziell im Beruf
  • Teilweise nicht realitätsnah (Eisbär)
  • Viele komplexe Themen in kurzer Zeit, Gedanken kaum Zeit um zu reifen
  • Schüler: Wunsch nach Pausen, mehr Zeit zwischendurch
  • Geteilte Meinungen zum Thema KW aufgrund Komplexität