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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Department für Agrarökonomie

Hintergrund

 

Klimawandel und Gärten in Berlin

Auch wenn niemand genau vorhersehen kann, wann welche Wetter- und Witterungsereignisse in welcher Region in den nächsten Jahrzehnten eintreten werden, sind sich die unterschiedlichen Klimamodelle über generelle Klimatrends einig. Ihre Projektionen besagen z. B. für Berlin eine Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen bis 2050 um bis zu 2,5 Grad Celsius, eine Zunahme von heißen Tagen, Tropennächten und Hitzeperioden im Sommer bei gleichzeitiger Abnahme der Frosttage im Winterhalbjahr. Die Winter in Berlin werden voraussichtlich feuchter, die Sommer trockener und extreme Wetterereignisse wie Starkregen nehmen zu.

Was bedeutet das für Berlin? Was haben Berliner Gärtner*innen zu erwarten? Welche Konsequenzen haben die klimatischen Veränderungen für den Anbau von Kulturpflanzen und die Bewirtschaftungsmethoden?

Die Region Berlin-Brandenburg mit ihrem ohnehin geringen Niederschlagspotenzial und den überwiegend sandigen Böden ist vergleichsweise anfällig für die erwarteten Folgen des Klimawandels. Für den Innenstadtbereich Berlins kommt als Risikofaktor noch eine Verschärfung durch das Phänomen der städtischen Wärmeinseln hinzu.

Vor diesem Hintergrund erfüllen städtische Grün- und Gartenflächen wesentliche Klimaanpassungs- und Klimaschutzfunktionen für den Ballungsraum. Neben der CO2-Speicherung und der Abkühlung bioklimatisch belasteter Stadtquartiere können Gartenanlagen Niederschlagswasser zwischenspeichern und dazu beitragen, Grundwasser anzureichern und die Qualität des Wassers zu gewährleisten.

Für die Gartenpraxis birgt der Klimawandel sowohl Chancen als auch Risiken. Längere Vegetationsperioden, höhere Temperaturen und höhere atmosphärische CO2-Gehalte können durch angepasste Bewirtschaftungsweisen produktiv genutzt werden. Die zunehmenden Gefahren von Sommertrockenheit, Spätfrostschäden und Schädlingsdruck hingegen erschweren den Anbau.

 

Was verstehen wir unter „Klimagärten"?

Gärtnern im Klimawandel heißt für uns, sich der Wechselwirkungen zwischen Klimawandel, gärtnerischer Praxis und Gärten in der Stadt bewusst zu sein und zu versuchen, die Gärten und das Gärtnern entsprechend zu gestalten. Das heißt zum einen auf Klimaschutz und das Schonen von Ressourcen, vor allem von Wasser, zu achten. Zum anderen bedeutet es, sich mit den neuen Möglichkeiten und den auftretenden Erschwernissen, die klimatische Veränderungen mit sich bringen, auseinanderzusetzen.

Wir bezeichnen Gärten als „Klimagärten", wenn in ihnen Klimaanpassungs- und Klimaschutzaspekte Beachtung finden. Klimaanpassung bedeutet, sich mit den Folgen des Klimawandels auseinander zu setzen und sich darauf einzustellen. Klimaschutz steht für die Verringerung von Treibhausgasen und wirkt damit dem Klimawandel entgegen. Beide Herangehensweisen sind aus unserer Sicht bedeutsam, um ein Leben, z. B. in Großstädten wie Berlin, auf Dauer lebenswert zu gestalten.

Gärtnerisch umgesetzt, kann „Klimagärtnern“ bedeuten, dass man sich auf die voraussichtliche Zunahme von Trockenperioden und damit auf den möglichen Wassermangel im Sommer einstellt, indem man beispielsweise durch Mulchen einen Verdunstungsschutz schafft. Eine wassereffiziente Bewässerung kann eine weitere Anpassungsmaßnahme darstellen, beispielsweise durch verstärkte Regenwassernutzung, Tröpfchen- und Unterflurbewässerung. Es ist anzunehmen, dass oftmals altbewährte Anbautechniken des naturnahen Gärtnerns neue Bedeutung bekommen. Insbesondere der Erhalt bzw. die Förderung der Bodengesundheit ist bedeutsam. Vor dem Hintergrund der Unkalkulierbarkeit konkreter Wetter- und Witterungsereignisse ist es außerdem besonders wichtig, den Garten als ökologisches System zu begreifen und seine Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

Denkt man an Klimaschutz, sind vor allem torfhaltige Substrate, die noch immer stark in Gärten zum Einsatz kommen, problematisch. Dafür gibt es gute Alternativen z.B. Komposterde. Im Einkauf von Pflanzen und Saatgut auf Regionalität zu achten, kann ebenso zur Minderung von CO2 beitragen.

In Ballungsräumen wie Berlin leisten begrünte Flächen einen Beitrag zum Klimaschutz, egal ob Dach- oder Fassadenbegrünung, grüne Hinterhöfe, Gärten, Parks oder Wälder. Im Sinne von Klimaanpassung versorgen viele grüne Orte das bebaute Umfeld mit kühler Luft und Schatten und stellen einen bedeutsamen Puffer im Wassermanagement der Stadt dar. Es gilt also, Grünflächen, Wälder, Parks und eben auch Gärten in ihrer ganzen Vielfalt zu erhalten und zu mehren!

 

Literaturhinweise:

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) (2015): Grün in der Stadt − Für eine lebenswerte Zukunft. Grünbuch Stadtgrün.
  • Landesumweltamt (2010): Auswertung regionaler Klimamodelle für das Land Brandenburg. Kurzfassung des Fachbeitrags des Landesumweltamtes, Titelreihe Heft-Nr. 113, Potsdam.
  • Lotze-Campen, Hermann, Lars Claussen, Axel Dosch, Steffen Noleppa, Joachim Rock, Johannes Schuler, Götz Uckert (2009): Klimawandel und Kulturlandschaft Berlin. Bericht im Auftrag von Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung I, Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, Berliner Forsten, Berliner Stadtgüter GmbH.
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (2010): Klimawandel und Wärmebelastung der Zukunft. Umweltatlas Berlin, Ausgabe 2010.
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (2011): Stadtentwicklungsplan KlimaUrbane Lebensqualität im Klimawandel sichern.
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (2012): Strategie Stadtlandschaft Berlin, natürlich urban produktiv.