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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften

Leseprobe

"Siedlungs- und Aufbauarbeit im deutschen Osten"


Von Prof. Dr. Konrad Meyer,

Begründer des "Forschungsdienstes" und der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung 1935/36,
seit 1939 Leiter der Planungsabteilung bzw. des Dahlemer SS-Planungsamtes RKF, 1936/37 DFG-Vizepräsident
und seit 1934 Direktor des Instituts für Agrarwesen und Agrarpolitik der Berliner Universität in Dahlem
(Münchener Studentenzeitung "Die Bewegung" Folge 8 1941 S.7)

"Die einmalige Aufgabe, die dem deutschen Volke in unseren Tagen vor allem im Osten erstanden ist, greift tief in alle Bereiche unseres Lebens ein, ist also unmöglich ohne die Voraussetzung einer totalen Mobilmachung aller volkstums- und gesittungsmäßigen, sozialen und wirtschaftlichen Kräfte der Gesamtnation.

So sehr es hierbei notwendig sein wird, bei unserer politischen Arbeit am Osten die Lehren der deutschen Ostgeschichte zu beherzigen, so sehr müssen wir aber auch bei jedem Rückblick danach trachten, über die äußeren Formen hinweg zum eigentlichen Inhalt des Geschichte gewordenen Geschehens vorzudringen. Jenes Wort, daß ein Land dem gehöre, der ihm als Erster Gesittung brachte, wird vor allem durch die deutsche Ostpolitik der vergangenen Jahrhunderte widerlegt. Wäre dieser Satz wahr, dann müßte der gesamte Osten vom Baltikum bis zu den Karpaten heute deutsch sein; in Wirklichkeit aber wurden in diesem Raum nicht jene Gebiete ganz und eindeutig dem Deutschtum gewonnen, in die deutsche Gesittung und deutscheArbeit getragen wurden, sondern nur jene, in denen deutsche Bauernfäuste den Pflug führten. Sogar die Provinzen, in denen länger als ein Jahrhundert die staatliche Macht Preußens aufgerichtet war, wurden nach dem Erwachen des dort überschichteten fremden Volkstums im Augenblick der Schwäche des Reiches dem deutschen Lebensraum wieder entrissen, weil man eben in all den früheren Jahren nicht daran gedacht hatte, daß erst dann ein Land wirklich dem eigenen Volkstum für ewige Zeiten gehört, wenn es bis in den letztenWinkel mit eigenem Volkstum gefüllt ist.

Diese - durch das geschichtliche Werden erhärtete und unwiderleglich gewordene - Tatsache ist für unsere Zukunftsarbeit im neuen deutschen Ostender eherner und unverrückbarer Ausgangspunkt unseres Schaffens. Somit wird im Mittelpunkt der neuen deutschen Ostbewegung der deutsche Bauer stehen müssen, oder aber wir begeben uns von vornherein in die Gefahr, daß wieder eines späteren Tages fremdes - heute unterworfenes und unterwürfiges -Volkstum die deutsche Gestaltung am deutschen Lebensraum im Osten zunichte macht. Erinnern wir uns hier des Bismarckschen Satzes, daß diegeschichtliche Logik noch genauer ist als die preußische Oberrechnungskammer! Aus der Forderung, das Schwergewicht der Eindeutschungspolitik auf eine bewußte Bauernpolitik zu verlegen, kann heute - im Zeitalter einer hochentwickelten Industrie - niemals mehr die Forderung gezogen werden, einen rein agrarisch bestimmten Ostraum zu formen. Das warnende Beispiel des industriearmen, markt- und kulturfernen "Ostelbiens" muß uns davor bewahren, nochmals eine derartige raum- und volkspolitische Fehlleistung zu gestalten. Der ostelbische Teil Preußens blieb immer kolonialer Boden mit all denSchwächen und Vorzügen, die einem solchen Raum anhaften. Daher verwuchs er auch niemals - und ist es bis heute noch nicht - mit dem westelbischen Lebensraum zu einer wirklich organischen Einheit. Diese Gefahr muß für dieLösung der in den neuen östlichen Reichsgebieten erstandenen Aufgaben vom ersten Augenblick an aufs schärfste begegnet werden. Wir sind uns wohl alle klar darüber, daß dieser wiedererworbene Osten einst unser Volk aufs reichste beschenken wird; denn unerschöpflich fruchtbar ist seine Scholle, ungeahnt groß sind die Kräfte, die hier auf Erschließung harren. Wir wissen aber ebenso gut, daß uns dieser Raum um so mehr geben wird, je mehr wir ihm opfern an Einsatzbereitschaft und Gestaltungswillen, an materiellen Dingen wie an bestem deutschen Volkstum.

Wir wenden uns deshalb bewußt ab von den halben Lösungen früherer Zeiten und bekennen uns klar und unmißverständlich zur totalen und nationalsozialistisch eindeutigen Neuordnung. Dieses Wollen umfaßt ebenso eine zielbewußte volkstumsmäßig bestimmte Siedlungsstrategie, wie eine neugestaltete und dadurch revolutionär wirkende Bevölkerungs-, Wirtschafts-, Kultur- und Sozialpolitik. Im neuen Reichsgebiet wird unser nationalsozialistisches Wollen zum ersten Mal restlose Verwirklichung zur nationalsozialistischen Tat finden müssen! Die Lösung der Ostfragen wird -mehr als alle anderen Aufgaben - die entscheidende Bewältigung der nationalsozialistischen Gestaltungskraft, ja überhaupt der nationalsozialistischen Idee bedeuten. Nationalsozialistische Raumgestaltung bedingt ein ausgeglichenes Verhältnis von Stadt und Land, von Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe. Mit dieser Forderung ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, die ländlicheArbeit - nicht nur durch rein ideenmäßiges Betonen ihrer Wichtigkeit - in der lohn- und preispolitischen Praxis dem industriellen und dem gewerblichen Sektor der Volkswirtschaft anzupassen. Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß schon als Voraussetzung eines tiefschürfenden und dauerhaften Eindeutschungsvorganges die Krankheitserreger der Landflucht im Keim beseitigt werden müssen. Das bedeutet auf der geistigen Seite das Kulturgefälle von Stadt und Land, durch Schaffung von entsprechenden Vorbedingungen, auf ein Mindestmaß herabzudrücken und auf dem wirtschaftlichen Gebiet die Landarbeit ebenso hoch zu entlohnen wie jede andere Arbeit.

Das Ziel einer planvollen Siedlungsstrategie wird es sein müssen, in großzügiger Gestaltung den Raum bis ins kleinste restlos einzudeutschen. Wer heute noch mit dem Gedanken spielt, als dünne Herrenschicht von Großgrundbesitzern das polnische Volkstum überschichten zu können und damit der Eindeutschung Genüge zu leisten, der hat weder aus der Geschichte des Ostens noch aus dem erschütternden Erleben der volksdeutschen Passion desHerbstes 1939 gelernt. Wir müssen uns heute darüber im klaren sein, daß der Osten erst in dem Augenblick wirklich für alle Zeiten deutsch bleiben wird, in dem aus dem geschlossenen deutschen Siedlungsraum alles fremde Blut, das die einheitliche Geschlossenheit des grenzdeutschen Volkstums irgendwie gefährden könnte, restlos entfernt ist. Vor allem wird vom erstenAugenblick des Eindeutschungsvorgangs darauf zu achten sein, daß diese eindeutige Bereinigung der Volkstumslage im ländlichen Sektor so schnell wiemöglich restlos durchgeführt wird. Das völkische Neuland wird nicht nur von deutschen Besitzern bewirtschaftet und rentenmäßig gestützt werden dürfen, sondern auch - und zwar bis in den entlegensten Winkel hinein - von deutschen Fäusten bebaut werden müssen. Es liegt auf der Hand, daß diese volkstumsmäßigen Vorbedingungen einer wirklichen Eindeutschung die Durchführung einer bewußten Bauernpolitik geradezu erzwingen würden, stände es nicht von vornherein fest, daß Agrarpolitik des Nationalsozialismus nur Bauernpolitik im besten Sinne sein kann.

Dies Erfordernis einer vollkommenen Eindeutschung verbietet jede Verzettelung des Einsatzes von Menschen, Organisationskräften und Rohstoffen. Allein schon von der nüchternsten Überlegung aus gesehen, daß der notwendige Bedarf an Fachkräften und Materialien im Baugewerbe nicht ausreichen würde, um all den anderen uns nach Kriegsende sicher erstehenden Aufgaben gleich den Gesamtraum der neuen Reichsgebiete restlos einzudeutschen, erweist es sich als unumgänglich notwendig, die vorhandenen Kräfte siedlungsstrategisch so zu lenken und einzusetzen, daß zuerst die wichtigsten und völkisch umbrandetsten Landstriche restlos eingedeutscht und deutsch gestaltet werden. Durch diese gebietsmäßige Unterteilung wird die Wucht des Eindeutschungsvorganges ebenso gesteigert werden können, wie hierdurch auch das Tempo dieser Aufbauarbeit beschleunigt werden kann. Die Landstriche aber, die dadurch zuerst einmal von der Volleindeutschung nicht erfaßt sind, werden deshalb nicht minder bewertet oder gar vernachlässigt werden dürfen. Hier werden die Aufgaben vorweg genommen werden müssen, die in den vordringlichen Siedlungsgebieten größtenteils zuerst aufgeschoben werden müssen: Landeskultur und verkehrstechnische Erschließung in jeder Beziehung. Daneben wird vor allem auch die Landschaftsgestaltung, die Formung dieses z.T. öde und eintönig wirkenden Raumes zur deutschen Heimat - mit Wäldern und Gärten, Baumreihen und Hecken - schon vom ersten Friedenstage an begonnen werden müssen. Wir wissen daß ein nachhaltiger Widerhall des Rufes in den Osten in allen deutschen Stämmen nur dann entstehen wir, wenn der "ver sacrum" der Nation im deutschen Neuland die Möglichkeit findet, sich diesen Raum zur neuen Heimat zu gestalten. Wir wiesen schon darauf hin, daß hierfür die wirklich nationalsozialistische Lösung der sozialen Fragen - vor allem bei der Schaffung einer neuen ländlichen Ordnung - erste Voraussetzung sein muß. Darüber hinaus wird in den neuen Ostgauen auch die neue nationalsozialistische Baugesinnung ihre bisher schönsten und großzügigste Verwirklichung finden können bei der Gestaltung der Städte zu völkischen Kraftzentren ebenso wie im Neuaufbau der Dörfer zur Heimat kerndeutscher Bauerngeschlechter, bei der Planung und Durchführung der industriellen Anlagen genau so wie bei der Formung und Sinngebung für kulturelle und gemeinschaftsdienende Bauwerke. So werden beispielsweise für einzelne Gruppen von Dörfern gesittungsmäßige Mittelpunkte gebildet werden müssen, die in ihren räumlichen und technischen Möglichkeiten den Unterschied von Stadt und Land bis auf ein Mindestmaß beheben.

Beim Neuaufbau des Ostens kann es überhaupt nicht in Frage kommen, Verlegenheitslösungen zu bringen, weil man entweder nicht den Mut oder die Mittel zu finden glaubt, um das Ganze zu wollen. Ostpolitik und Zukunft ist - richtig betrachtet - nicht mehr und nicht weniger als Verwirklichung der nationalsozialistischen Idee. Hierdurch ist vor allem die Verpflichtung für den studentischen Nachwuchs fest umrissen. Durch den Landdienst und die Ostarbeit der Studentenschaft ist der Boden für die Gestaltungsaufgaben in den neuen Gebieten und die Erziehungsarbeit an deutschen Menschen erfolgreich vorbereitet. Die deutsche Jugend ist die Hüterin der Ostidee und des Gedankens von Blut und Boden. Sie wird sich daher der Größe der erstandenen Aufgaben würdig erweisen. Einsatz im Osten bedeutet in der kommenden Zeit die schönste Form deutscher Bewährung. Gelingt es uns, im neuen deutschen Osten wirklich eine totale Lösung zu finden, dann wird dieses nationalsozialistische Wirken eines Tages vom neuen Raum auf das Gesamtreich herüber strahlen und wird uns nach Jahrhunderten verfehlter Ostpolitik beweisen, wie schicksalhaft eng der deutsche Osten mit dem deutschen Gesamtschicksal verbunden ist. Durchführung und Methoden der deutschen Ostpolitik mögen sich den technischen und zivilisatorischen Gegebenheiten entsprechend ändern. Das Ziel muß aber für alle Zeiten das selbe bleiben, den neuen deutschen Lebensraum mit dem Altreich organisch und eng zu verbinden, daß wirklich so die Voraussetzung für unser höchstes Ziel gegeben ist: Das erste wahrhaft germanische Reich aller Deutschen zu formen und in seinen Grundlagen unverrückbar fest zu gestalten."

(Münchener Studentenzeitung "Die Bewegung" Folge 8 1941 S.7)