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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Ökonomik ländlicher Genossenschaften

ENERGENO – Ist genossenschaftlicher Strom mehr wert? Zur Zahlungsbereitschaft für genossenschaftlichen Strom

In vielen genossenschaftlichen Sektoren sind Neugründungen rückläufig. Fusionsbedingt sinkt sogar die absolute Anzahl an Genossenschaften. Ein Sektor widersetzt sich jedoch diesem Trend und verzeichnet hohe Zuwächse an Kapital, Mitgliedern und Neugründungen – die Energiegenossenschaften.
Der Wertewandel hin zu einer nachhaltigen Ökonomie, der jüngst beschlossene Wiederausstieg aus der Atomenergie und die Energiewende in Deutschland stellen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen dar. Der Ausbau der Netze, Speicher und erneuerbaren Erzeugungskapazitäten, bei gleichzeitig leeren Kassen und dem offenkundigen Begehren der Bürger nach Beteiligung an den zentralen Infrastrukturen, stellen nicht nur technische, sondern auch institutionelle und organisatorische Herausforderungen dar. Strom ist dabei längst kein homogenes Gut mehr. Das „Wie“ der Strombereitstellung – also auch die Frage nach der Organisationform des Versorgers – führt zu einer immer stärkeren Differenzierung des Produkts Elektrizität. Ob Bürgerbeteiligung, der zunehmende Koordinationsbedarf zwischen Konsument und Produzent, externe Effekte erneuerbarer Energien oder die Förderung lokaler Wertschöpfung – die Genossenschaft scheint oftmals das ideale Organisationsmodell zu sein.
In der wissenschaftlichen Analyse werden Energiegenossenschaften oft isoliert von anderen Organisationsformen betrachtet. Dies führt dazu, dass die Frage des komparativen Vorteils der Genossenschaft gegenüber anderen Organisationsformen und aus Sicht der Mitglieder und potentieller Kunden nicht oder nur unzureichend gestellt wird. Es existieren keine Analysen darüber wie potentielle Neumitglieder von Energiegenossenschaften den Nutzen genossenschaftlicher Energie bewerten. Diese Lücke versuchen wir zu schließen.
Wir gehen der Frage nach, warum Menschen sich für den Strombezug bei einer Genossenschaft entscheiden und sogar Eigentümer ihres Elektrizitätsversorgers werden. Das Projekt untersucht mittels Choice Experiments den Nutzen einzelner Governancemechanismen der Genossenschaft für Stromkunden. Neben den wissenschaftlichen Fragen bildet die Ableitung von Handlungsempfehlungen an Politik und Praxis einen weiteren Schwerpunkt des Projekts. Das Projekt und seine Bearbeiter engagieren sich außerdem im Forschungsnetzwerk Genossenschaften in der Energiewende.

 

Finanzierung: DZ BANK-Stiftung
Laufzeit: Januar 2012 - Juli 2015

Projektleitung: Prof. Dr. Markus Hanisch
Bearbeiter: Jakob Müller, Jens Rommel, Julian Sagebiel

 

Publikationen:

Höfer, H.-H.; Rommel, J. (2015). Internal governance and member investment behavior in energy cooperatives: An experimental approach. Utilities Policy 36, 52-56.

Müller, J. R.; Dorniok, D.; Flieger, B.; Holstenkamp, L.; Mey, F.; Radtke, J. (2015). Energiegenossenschaften: Das Erfolgsmodell braucht neue Dynamik. GAIA, Ecological Perspectives for Science and Society 24(2), 96-101.

Müller, J. R.; Sagebiel, J. (2015). Machen Genossenschaften Ökostrom wertvoller? Zeitschrift für öffentliche und gemeinnützige Unternehmen 38(2-3), 226-237.

Rommel, J.; Sagebiel, J.; Müller, J. R. (2016). Quality Uncertainty and the Market for Renewable Energy: Evidence from German Consumers. Renewable Energy 94, 106-113.

Sagebiel, J.; Müller, J. R.; Rommel, J. (2014): Are Consumers Willing to Pay More for Electricity from Cooperatives? Results from an Online Choice Experiment in Germany. Energy Research & Social Science 2, 90–101.

Yildiz, Ö.; Rommel, J.; Debor, S.; Holstenkamp, L.; Mey, F.; Müller, J. R.; Radtke, J.; Rognli, J. (2015). Renewable Energy Cooperatives as Gatekeepers or Facilitators? Recent Developments in Germany and a Multidisciplinary Research Agenda. Energy Research & Social Science 6, 59-73.