Humboldt-Universität zu Berlin - Pressemitteilungen

Nachruf auf Prof. Dr. habil. Hans Bergner

 

1. April 1930 - 19. September 2015

 

Prof. Hans Bergner wurde 1930 in Ehrenfelde, Ostpreußen, geboren. Nach dem Besuch der landwirtschaft­lichen Fachschulen in Schwerin und Rostock legte er 1951 das Examen zum staatlich geprüften Landwirt ab. Im Jahr 1954 erlangte er den Hochschul­abschluss der Humboldt-Universität zu Berlin und 1956 promovierte er am Institut für Tierernährungs­lehre unter der Leitung von Prof. Ernst Mangold zum Dr. agr. Um seinen eigenen Ansprüchen besser gerecht zu werden, absolvierte er ein Fernstudium und schloss 1962 als Diplom­chemiker ab. Er habilitierte sich 1963 für die Fächer Tierernährung und Biochemie. Schon 1964 wurde Hans Bergner zum Direktor des Instituts für Tierernährung ernannt und wenig später zum Professor mit Lehrauftrag für das Fach Tierernährung berufen. Im Wirken von Hans Bergner sind besonders die große thematische Vielfalt der Forschungsarbeiten und die inno­va­tiven Leistungen auf metho­di­schem Gebiet hervorzu­heben. Hierzu zählen die Untersuchungen zum Jodstoffwechsel bei verschie­denen Nutztierarten und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die praktische Fütterung. Über die gesamte Schaffensperiode ziehen sich Arbeiten zum Stoffwechsel von Nicht-Protein-Stick­stoff­verbindungen bei Wiederkäuern. Arbeiten zur Ammonisie­rung von Trocken­schnit­zeln und zum Strohaufschluss führten unmittelbar zu praktisch anwend­baren Verfahren, was mit dem National­preis für Wissenschaft und Technik II (im Kollektiv) und mit anderen Auszeichnungen honoriert wurde. Das Hauptarbeitsgebiet von Hans Bergner war jedoch der Protein- und Amino­säuren­umsatz im weitesten Sinne. Seine Arbeiten dazu waren wesentlicher Anlass zu hohen wissenschaftlichen Auszeichnungen, wie dem Arthur-Scheunert-Preis der Gesellschaft für Ernährung der DDR 1979, dem Henneberg-Lehmann-Preis der Universität Göttingen 1987 und dem International Roche Research Prize for Animal Nutrition 1992. Neben der Unter­suchung biochemi­scher Parameter, wie verschiede­ner Enzymaktivitäten und Stoffwechsel­produkte in ihrer Reaktion auf Eiweißqualität und –quantität, waren es dabei vor allem die Unter­suchungen zum Aminosäuren­bedarf sowie zu quantitativen Aspekten des Proteinumsatzes.

Diese intensive Forschungstätigkeit schlug sich in mehr als 430 Originalarbeiten nieder, die von ihm und seinen Mitarbeiter seit 1964 veröffentlicht wurden. Während seines Wirkens hat er 30 junge Wissen­schaftler zur Promotion geführt und 8 Habilitanden betreut. Hans Bergner hatte eine inten­sive wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Partnerinstituten in Osteuropa, aber es gelang ihm auch, einen Austausch mit Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik, Westeuropa und den USA zu pflegen. Hans Bergner war Herausgeber von zahlreichen Büchern und hat etwa 27 Buchbeiträge geschrieben. Seit 1961 war Hans Bergner Mitherausgeber und seit 1979 bis 1994 Herausgeber der Fachzeitschrift „Archiv für Tierernährung“ (heute „Archives of Animal Nutrition“). Auch innerhalb der Universität bekleidete Hans Bergner wichtige Funktionen und war in verschiedenen Gremien aktiv. Im Jahr 1990 wurde Hans Bergner in die Gesellschaft für Ernährungs­physio­logie aufgenommen und zum zweiten Vorsitzenden gewählt.

In seinem Leben gab es für Hans  Bergner neben vielen Höhepunkten auch zahlreiche Rückschlage, die er mit unglaublicher Willenskraft zu überwinden verstand. Im Ruhestand zog sich Hans Bergner weitgehend aus dem wissenschaftlichen Leben zurück. Mit Vorliebe widmete er sich der Malerei und als Naturliebhaber seinem Garten in Hohen Neuendorf.

Mit dem Ableben von Hans Bergner haben wir einen renommierten Wissenschaftler und engagierten Hochschullehrer verloren. Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren.

 

Im Namen der ehemaligen Mitarbeiter und Kollegen

Ortwin und Annette Simon