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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Ressourcenökonomie

Dissertation von Carlotta von Bock und Polach, 2010

Die Bedeutung von Sozialkapital und Netzwerken für die temporäre Migration polnischer Saisonarbeiter - am Beispiel des Spargelanbaus in Brandenburg

Beginn: 2005
Ende: 2010

Die landwirtschaftliche Saisonbeschäftigung ist maßgeblich durch kurze, arbeitsintensive Erntezeiten gekennzeichnet. Insbesondere bei der Spargelernte sind landwirtschaftliche Betriebe auf menschliche Arbeitskraft angewiesen, da der Einsatz von Erntemaschinen nur im geringen Maße möglich ist. In der Zeit zwischen April und Juni entsteht dadurch eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Ein Großteil aller Saisonarbeiter in der Obst- und Gemüseernte in Deutschland stammt aus den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU), der überwiegende Teil davon aus Polen. Die vorliegende Studie untersucht das Phänomen der temporären Migration polnischer Arbeitskräfte zur Unterstützung der deutschen Spargelernte aus der Perspektive eines akteurszentrierten Ansatzes. Der Akteur bzw. die Akteursgruppen stehen im Vordergrund der Analyse. Von ihnen ausgehend wird die Frage nach der Bedeutung des im polnisch-deutschen Migrationsraum aufgespannten sozialen Netzwerks gestellt und der Einfluss des Sozialkapitals auf die Entscheidung der Akteure und deren Handlungssituation in einer sich wiederholende und bestehende Beschäftigung in der Spargelernte. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Frage nach den Ursachen für die Beständigkeit der kurzfristigen Arbeitskräftewanderung und die dafür verantwortlichen formalen und informellen Institutionen. Dabei werden vor allem die Akteurskonstellationen, die zwischen den beteiligten Akteuren stattfindenden Transaktionen und die Strukturen der Netzwerke untersucht. Die den einzelnen Akteuren zur Verfügung stehenden Ressourcen im Sinne von Informationen, wechselseitiger materieller Unterstützung, aber auch sozialer Geborgenheit, bestimmen die Rechte und Pflichten sowie den daraus resultierenden individuellen Nutzen der Akteure eines Netzwerks. Die empirischen Daten basieren auf Erhebungen in Brandenburg und in Polen. In einem dreistufigen Verfahren mittels qualitativer Netzwerkanalyse und 40 Leitfaden gestützten Interviews konnte die soziale Netzwerkstruktur ausgewählter Akteure ermittelt werden. Die Ergebnisse der Arbeit sollen zum einen das Phänomen der saisonalen Migration eingehend beschreiben, indem ein Bezug zum geschichtlichen und rechtlichen Rahmen hergestellt wird. Zum anderen wird durch die Betrachtung der Netzwerke und der daraus resultierenden Effekte der in der Literatur zur Migrationsforschung übliche ökonomische Erklärungsansatz ergänzt.

Bearbeiter: von Bock und Polach, Carlotta

Betreuer: Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Hagedorn

Finanzierung: Graduiertenstipendium der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, Abschlussfinanzierung durch die Frauenförderung der LGF, HU Berlin


Veröffentlichungen und Vorträge: Siehe