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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissenschaftliche Fakultät - Institut für Genossenschaftswesen

Geistiges Welterbe: Sächsische Genossenschaftsidee soll auf UNESCO-Liste

Die in Sachsen und Rheinland-Pfalz entstandene Genossenschaftsidee soll der erste Eintrag aus Deutschland auf der UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes werden. Nach Angaben des Kunstministeriums in Dresden hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, die Nominierung im März 2015 bei der UN-Organisation einzureichen. Die Entscheidung über die Aufnahme will die UNESCO bis 2016 treffen.

Eingereicht wurde der Vorschlag von der Schulze-Delitzsch-Gesellschaft in Delitzsch und der Raiffeisen-Gesellschaft in Hachenburg. Der Sachse Hermann Schulze-Delitzsch (eigentlich Franz Hermann Schulze) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen aus dem Siegerland gelten als die Gründerväter des deutschen Genossenschaftswesens.

Letzterer gründete unter anderem 1846 nach einer Missernte mit wohlhabenden Bürgern in Weyerbusch (heute Rheinland-Pfalz) eine Armenkommission, die Lebensmittel verteilte. Später wurde ein gemeinschaftlicher Bezug von Saatgut sowie die Errichtung eines Gemeindebackofens organisiert.

Auch Schulze-Delitzsch organisierte in den Hungerjahren 1846/47 ein Hilfskomitee zur Brotabgabe an Arme. 1849 gründete er in seiner Heimatstadt eine Tischler- und eine Schuhmacher-Assoziation sowie ein Jahr später mit dem Delitzscher Vorschussverein eine der ältesten Bankgenossenschaften Deutschlands.

Weltweit beispielhafte Bewegung

Mit der Nominierung der Genossenschaftsidee folgte die Kultusministerkonferenz der Empfehlung eines unabhängigen Expertenkomitees, das zuvor die Vorschläge der einzelnen Bundesländer geprüft hatte. Freude bei Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange: Sie betonte, die Genossenschaftsidee sei eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen der jüngeren Geschichte.