Leitbild der Fakultät

Problemsicht

Die Sicherung einer quantitativ und qualitativ ausreichenden Ernährung der Menschen ist weiterhin und zunehmend ein globales Problem. Derzeit sind 900 Millionen Menschen mangelernährt. Die Verbesserung und Steigerung der Produktion ist jedoch dauerhaft nicht möglich, ohne den gleichzeitigen Schutz bzw. die Rehabilitierung natürlicher Ressourcen. Die Ziele moderner Agrarforschung und -lehre müssen sich an ihrem Beitrag zur Lösung der Probleme des "kritischen Dreiecks" (Produktion, Armutsbekämpfung, Ressourcenschutz) messen, in dessen Zentrum die Bedürfnisse der Menschen stehen. Das besondere Spannungsfeld der Beziehungen zwischen urbanen Zentren und ländlichen Räumen ist sowohl in Entwicklungsländern, den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas als auch in entwickelten Ländern eine Aufgabe mit hoher gesellschaftlicher Priorität. Für die Stabilisierung nachhaltiger Boden-, Gewässer- und Landschaftsnutzungssysteme fehlen Konzeptionen, die vor allem für Armutsgruppen eine angemessene Ernährung sichern, die aufgrund ihrer Umweltverträglichkeit und ökonomischen Effizienz hohe Chancen auf Umsetzbarkeit haben und die gleichzeitig die natürliche Basis für unterschiedliche Nutzungsformen erhalten.

Ausgangslage: Stärken und Schwächen

Durch die Fusion der agrar- und gartenbauwissenschaftlichen Fachgebiete der TU Berlin und der HU Berlin wurden die traditionell stark entwickelten Kontakte zu Partnern in den USA, Afrika, Asien und Lateinamerika mit denen nach Osteuropa verbunden. Das Seminar für ländliche Entwicklung führt seit 1962 ein Ergänzungsstudium und seit 1994 Weiterbildungsmaßnahmen für Fach- und Führungskräfte der internationalen Zusammenarbeit durch. Die besondere Position der Fakultät in der internationalen Agrarentwicklung wurde durch den Wissenschaftsrat 1996 bestätigt. Die internationale Verflechtung der Fakultät ermöglicht den intensiven Austausch von Personen und Ideen. Die Form der Zusammenarbeit reicht von formalen Universitätsverträgen (ca. 40), über EU-geförderte Internationale Projekte (wie z.B. INTAS, LEONARDO, SOKRATES und TEMPUS-TACIS) und vielfältige Beziehungen auf Fachgebietsebene bis zur Ausbildung und dem Austausch von Studierenden.
Durch die Fusion der beiden Berliner agrar- und gartenbauwissenschaftlichen Einheiten wurde nicht nur Forschungskapazität gebündelt, sondern es entstanden ein besonderes Kompetenzprofil und Studiengänge mit wachsender Attraktivität für deutsche und ausländische Studierende. Die Kombination unterschiedlicher Studienrichtungen in den Agrarwissenschaften, eines breit gefächerten Schwerpunktes im Gartenbau, eines in Deutschland einmaligen Angebotes für Fischwirtschaft und Gewässerbewirtschaftung sowie des Lehramtstudienganges schafft vielfältige Synergieeffekte und hat sich bewährt.
Mit der intensiven Kenntnis früherer und jetziger Strukturen in den neuen Bundesländern, der Nähe zu den weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa und dem anwendungsorientierten, interdisziplinären Ansatz ist ein qualifiziertes Potential vorhanden, um in gesellschaftlichen Umbruchsituationen grundlegende Konzepte für Landwirtschaft und Gartenbau in einem ökologischen Umfeld zu erarbeiten. Die Fakultät hat eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Analyse und der praktischen Beratung der Transformationsprozesse sowie bei der Ausarbeitung entsprechender Ausbildungsprogramme übernommen. Ebenso haben Entwicklungsländerprobleme eine hervorragende Bedeutung in Forschung und Lehre.
Die Existenz wesentlicher naturwissenschaftlicher und sozio-ökonomischer Fachgebiete an der LGF ist die Grundlage einer vernetzten und in sich stimmigen Forschung und Lehre. Nur auf der Basis dieser Struktur ist eine gezielte Kooperation mit Forschungseinrichtungen der Region, besonders den Instituten der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), möglich.

Orientierung in Forschung und Lehre:
Quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume

Die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät sieht ihre Aufgabe darin, Hilfestellungen und Lösungen für eine langfristig tragfähige Entwicklung ländlicher und urbaner Räume zu erarbeiten. Dabei besitzt die Sicherung einer quantitativ ausreichenden, qualitativ hochwertigen und sicheren Ernährung sowie die konsequente Ausrichtung an den Wünschen der Verbraucher weltweit hohe Priorität. Lösungsansätze zur Steigerung der landwirtschaftlich-gärtnerischen Produktion sind jedoch nur tragfähig, wenn dabei gleichzeitig der Schutz und die Verbesserung der natürlichen Ressourcenausstattung gewährleistet ist und eine lebenswerte Umwelt für die Bevölkerung erhalten wird. Es gilt also, nachhaltige Boden-, Gewässer- und Landnutzungssysteme zu entwickeln, die eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produkten sicher stellen und das natürliche Lebensumfeld in städtischen und ländlichen Regionen verbessern. Neben Forschungsansätzen zur Verbesserung der globalen Nahrungsmittelversorgung richtet sich ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung ländlicher und städtischer Räume in den neuen Bundesländern.

Prinzipien bei der Gestaltung der Forschung: Problemorientiert, interdisziplinär, kooperativ, international
Um die genannten Problemfelder kompetent und zum praktischen Nutzen der Beteiligten und Betroffenen bearbeiten zu können, sind für uns folgende Prinzipien der Gestaltung der Forschung unabdingbar:
      
  • Die konsequente Problemorientierung erfordert es, dass praktische Fragestellungen in ihren biologischen, ökologischen, sozialen und ökonomischen Zusammenhängen und ihrer Komplexität wahrgenommen werden. Lösungsvorschläge müssen sich gleichermaßen an den Zielen 'Effizienz der Produktion', 'angemessene Versorgung der Bevölkerung' und 'Nachhaltigkeit' orientieren.
  • Monodisziplinäre Forschungsansätze erweisen sich aufgrund der Vernetztheit naturwissenschaftlicher, technischer, sozialer und ökonomischer Bestimmungsgründe der ländlichen Entwicklung zunehmend als inadäquat. Darum ist eine Fakultät, in der naturwissenschaftliche, technische, sozialwissenschaftliche Fachgebiete interdisziplinär zusammenarbeiten unabdingbar, um praktisch umsetzbare Lösungen für die o. g. Fragestellungen zu entwickeln.
  • Unter Berücksichtigung wachsender Mittelknappheit und der Notwendigkeit zur Entwicklung komplexerer Forschungsansätze ergibt sich der Zwang, durch Kooperation mit Einrichtungen im Umfeld der Fakultät Synergiepotentiale zu erschließen.
  • Da es sich bei vielen der beschriebenen Fragestellungen um globale Probleme handelt ist eine adäquate Bearbeitung nur im Rahmen internationaler Kooperationen möglich. Entsprechend ist die internationale Orientierung und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen weltweit zur Erreichung der formulierten Ziele geboten.
  • Verantwortliche und praktisch umsetzbare Problemlösungen erfordern auch, dass Interessen betroffener Personen und Institutionen angemessen berücksichtigt und Ergebnisse und Empfehlungen transparent gemacht werden. Der Praxisbezug wird auch durch Übernahme von Beratungsaufgaben für staatliche und nicht staatliche Institutionen, Aufklärung der Öffentlichkeit und, wo notwendig, kritische Stellungnahmen, sichergestellt.

Lehre:
Theoretisch fundiert, problemorientiert und Förderung der Selbstverantwortung

Die LGF arbeitet zielstrebig an der Weiterentwicklung des Studiums. Neue Formen der Lehre (Modulsystem, englischsprachiger Unterricht, Kreditpunktesystem) werden derzeit erprobt. Die Einführung eines zweistufigen Studiensystems unter Nutzung dieser Erfahrungen ist inzwischen erfolgt. Leitbild für die Lehre sind Absolventen und Absolventinnen, die auf der Basis fundierter natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Kenntnisse die ökologischen, technischen, sozialen und ökonomischen Aspekte einer nachhaltigen Landnutzung verantwortlich reflektieren, beurteilen und umsetzen können. Große Aufmerksamkeit wird der Entwicklung von Methodenkompetenz als Beitrag zur Befähigung zum lebenslangen Lernen gewidmet.
Förderlich hierfür ist neben einer fundierten Vermittlung der theoretischen Grundlagen auch eine Einbeziehung in Forschungsarbeiten und die Möglichkeit, selbstverantwortlich Forschungsprojekte einzeln und in Gruppen durchzuführen. Dem Anspruch auf Qualitätsverbesserung will die Fakultät durch hochschuldidaktische Fortbildung sowie regelmäßige Evaluierung der Lehre nachkommen.

Entwicklungsorientierung:
Wettbewerbsorientiert, veränderungsbereit

Das Leistungsangebot der Fakultät muss sich unter Berücksichtung der eigenen Geschichte, vorhandener Ressourcen und Kooperationsmöglichkeiten ständig verändernden Anforderungen anpassen. Die Fakultät ist sich der Tatsache bewusst, dass Effizienz und Effektivität der eigenen Leistungen unter Berücksichtung nationaler und internationaler Maßstäbe ständig zu hinterfragen sind. Sachlich begründet soll auch eine Neuorientierung auf andere Forschungsfelder und veränderte Schwerpunktsetzungen möglich sein. Entsprechend sind Leistungsanreize in der Fakultät so zu setzen, dass besonderes Engagement in Forschung und Lehre honoriert wird.

Prinzipen der Zusammenarbeit:
Kollegial und transparent

Die Fakultät bekennt sich zum Prinzip des Wettbewerbs wobei ein kollegialer Umgang und Kooperation in der Zusammenarbeit angestrebt werden. Fragen der langfristigen Entwicklung und der laufenden Organisation der Fakultätsarbeit werden unter Beteiligung aller Statusgruppen sachlich beraten. Dementsprechend ist hierfür die notwendige Transparenz für alle Fakultätsmitglieder zu schaffen.
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zuletzt geändert: 30.11.09 administrator
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